Wahrheiten, die ich glaubte... Teil 2

Kommen wir zu Teil 2 der „Wahrheitsreihe“.

Um den Einstieg zu finden folgt hier die wirklich kurze Zusammenfassung des ersten Teils.

  • Du musst frühstücken.

  • Du brauchst einen Proteinshake nach dem Training.

  • Iss so wenig Kohlenhydrate wie möglich.

  • Iss keinen Süßkram.


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Teil 1 beschäftigte sich mit dem Thema Ernährung. Heute fallen die Glaubenssätze, welche mich im Training begleiteten.



1. Ich kann meine Trainingspläne selber schreiben.

„Ärzte sind die schlimmsten Patienten.“


Seit ich zurückdenken kann habe ich alles was ich bisher im Training gemacht habe selbst zusammengebastelt. Einige wenige Ausnahmen ausgenommen. Da fällt mir spontan Joe DeFrancos „Build like a Badass“ ein, das Programm mit dem meine Fitnessreise begann und mich heiß gemacht hat auf mehr. Jahre später kam dann „Built 2 last“ von ihm und ich folgte wieder seiner Führung. Ansonsten konstruierte ich alles immer selber. Ich lernte ja und zog mir wirklich alles rein was stark und muskulös machte. Auf Facebook dürfte sogar in jahrealten Posts noch irgendwo mein „E4S“-Programm sein, welches ich ca. 6 Wochen zur freien Einsicht zur Verfügung stellte. Vielleicht demnächst mal hier als Download. Mal schauen.

Ich hatte mit allem sehr guten Erfolg.

  • 1RM Bankdrücken 1,6-faches Körpergewicht

  • 1RM Kniebeuge 1,9-faches Körpergewicht

  • 1RM Kreuzheben 2,5-faches Körpergewicht

Ich konnte mir entsprechend selber aussuchen was ich denn nun trainieren wollte und konnte Trainingsparameter so anpassen wie ich sie gerne hätte. Doch genau diese Freiheit wurde mir um Ostern rum zum Verhängnis.

Ich konnte nicht mehr schreiben.

Ich konnte es einfach nicht mehr. Zumindest für mich nicht. Es war zu anstrengend.

Ständig gingen mir all diese Ideen durch den Kopf, die ich im Plan etablieren wollte.

Ich wusste genau was ich tun wollte und wie ich mein Training programmieren musste, damit ich meine Ziele erreiche. Das Abtippen raubte mir aber jeden Nerv und ich saß teils Stunden vor dem Rechner und einem Blatt Papier um auch keine Nische auszulassen, jede Methode irgendwie in den Plan zu prügeln. Das Ende vom Lied war dann nichts. Ich war unzufrieden und dachte mir jedes Mal, dass dieses oder jenes doch eine bessere Wahl wäre.

So hielt ich mich letzten Ende nie an das was ich eigentlich geplant hatte nur um es dann doch wieder umzuwerfen, pures Chaos. Mein Hirn war am Ende. Es ist teils brutal wie viel Wissen man im Hirn hat, aber es dennoch nicht für sich selbst zu Papier bringen kann.

Auf jedes noch so kleine Detail zu achten war letzten Endes aber unnötig. Eine Erkenntnis, die ich erst noch lernen durfte. Details sind wichtig, aber umso wichtiger ist es sich nicht in diesen zu verlieren.


Ich raffte mich also auf einen guten Kollegen zu fragen, weil ich einfach genug davon hatte mir auch noch über mein eigenes Training so viele Gedanken zu machen. Hätte ich einen Klon, wäre eine Planung für ihn innerhalb von 5 Minuten fertig gewesen, aber mir raubte es jeden Nerv.


Alex Panskus übernimmt seit ca. 4 Monaten meine Planung und ich kann sagen es waren die „entspanntesten“ meiner bisherigen Trainingslaufbahn. Mal abgesehen vom Ausführen dieser Planung. Kein Grübeln mehr, einfach Machen. Seitdem habe ich 0 Stress und kann mich zu 100% aufs Training konzentrieren. Ich denke alleine aus dem Grund macht es bereits Sinn seine Trainingsplanung abzugeben und nicht selbst zu machen.


Vorteile eines Coachings:

  1. Keine Hirnfickerei! Du stehst dir viel zu oft nur selbst im Weg. Das ist einer der großartigsten Mehrwerte eines Coaches. Da ist nur noch Machen angesagt, alles andere kannst du getrost deinem Coach überlassen. Der weiß schon was gut für dich ist. Entspannt zum Erfolg, ja wie geil ist das denn bitte?

  2. Neue Denkweisen! Jeder will besser werden, egal in welchem Bereich. Um besser zu werden benötigst du vertrauenswürdige Quellen. Sich dabei immer nur von Quelle informieren zu lassen bringt einen nicht weiter. Ich jedenfalls habe eine Menge dazugelernt und bin darüber hinaus stärker und muskulöser.

  3. Effektivität. Funktioniert das was du tust? Wirst du stärker? Wirst du muskulöser? Funktionieren tut so gut wie alles. Die Frage ist: Wie lange? Wie gut? Wenn du 1 Jahr brauchst um mehr auf der Hantel zu bewegen wird es vielleicht Zeit für einen neuen Plan. Pläne taugen einfach was, wenn man weiß, dass sie von jemandem mit Know-How gemacht wurden und nicht ein wüstes Gemisch aus Infos sind, die du mal gehört hast. Stichwort: Broscience.

Die Quintessenz: Lass dich coachen!

2. Länger als 60 Minuten sollte man nicht trainieren.

„Ab der 30. Minute steigt dein Testosteron im Training nicht mehr, sondern lediglich dein Cortisol.“


Aus diesem Grund habe ich es immer vermieden Einheiten länger als 60 Minuten zu planen. Der Benefit von hartem Training über 60 Minuten hinweg war einfach ein Fliegenschiss zum katabolen Teufel, der mich holt. So dachte ich. Ich kann mich noch beim Programmieren eigener Einheiten sehen, die ich dann ausprobierte und mir dachte, dass bei 65 Minuten die Einheit gekürzt werden muss. So vernarrt war ich in diese Aussage. Guckt man sich um, dauern die meisten Einheiten auch nicht viel länger als eine Stunde, irgendwas musste also dran sein.


Dann der Schock.


Das erste Mal glaube ich als Andi Pürzel und Valentin Tambosi in der Kraftmanufaktur zu Gast waren. Ich kann mich an den Namen nicht mehr erinnern aber der Satz von Andi lautete ungefähr wie folgt:

„Er trainiert morgens 2 Stunden, geht dann in die Schule und nachtmittags kommt er nochmal für 3 weitere Stunden Training zu uns ins Gym.“

Fuck man, der macht sich doch kaputt. Die Mengen an Cortisol kriegst du dein Leben lang nicht mehr in den Griff. Wie will man denn da Muskeln aufbauen. Das waren meine ersten Reaktionen. Weil mich das Thema interessiert holte ich mir das Trainingsplanungsbuch der Pürzels und traf entsprechend auf Pläne, die 2-3 Stunden pro Einheit dauerten. Unfassbar.

Ich legte das Buch und den Gedanken ad acta. Dennoch sah der Kerl, von dem Andi erzählte aus wie eine Maschine, mit 19 Jahren. Einfach brutal.


Da ich mich ja entschied meine Pläne von nun an nicht mehr selbst machen zu lassen passierte genau das was ausgerechnet passieren musste. Der erste Plan, den ich von Alex erhielt hatte keine festen Pausenzeiten und jeweils 7 Sätze pro Muskelgruppe.

Das Training dauerte entsprechend 2-2,5 Stunden und ich machte mir nach der ersten Einheit richtige Sorgen.

Es kam mir einfach viel zu lang vor, als dass diese Herangehensweise auch nur irgendwas bringt. Na toll.

Naja, ich machte es halt einfach mal und die Ergebnisse waren brutal.

Jede investierte Minute hat sich bis dato rentiert. Die Pläne machen richtig Bock, auch wenn ich halt viel Zeit in Kauf nehmen muss und jedes Mal einfach nur im Eimer bin. Aber ich liebe diesen Scheiß einfach zu sehr, als das Zeit und Anstrengung eine Rolle spielen. Studio 24/7, thats my life. Hammer. Ich liebe es im Studio zu sein, ich kann mir meine Zeit echt nicht besser vorstellen, egal ob ich trainiere oder nicht. Ich liebe die Atmosphäre. Dann noch zu wissen, dass es keine Negativfolgen von ausgiebigem Training gibt ist umso schöner. Weniger Stress, mehr Erfolg. Geil.

Gedanken können einen echt fertig machen. Je weniger umso besser, da bleibt mehr Fokus zum Pumpen.

3. Die Grundübungen reichen aus um eine gewünschte Optik zu erhalten.


Wieder kurz gesagt: Bullshit.


Ich kann mich an eine Szene Jahre zuvor erinnern in der sowas sagte wie: „Ich mach doch keine Curls, come on!“ Alter, wie dumm. Dafür könnte ich mir mit dem was ich jetzt weiß in die Fresse boxen. Ich war dieser Typ, der auf sog. funktionelle Übungen abfährt. Bankdrücken, Schulterdrücken, Klimmzüge, Kreuzheben und Kniebeuge. Das war meine Welt. Hinzu kamen Ruderbewegung und Dips. Alles was so als funktionell galt. Sagen wir mal, ich machte nichts Isoliertes und war auch fest der Überzeugung, dass dies ausreicht um eine gute Optik zu erzielen und seine Leistungen in allen Bereichen zu maximieren. Ich denke, dass dies viele glauben. Curls, isoliertes Trizepstraining oder bereits das Benutzen eines Kabelzugs waren mir fremd und ich hielt es für unnötig. Lieber mehr Muskeln involvieren und alles gleichzeitig kräftigen. Durch meinen Umzug in den Süden lernte ich es neu kennen.

Der Begriff „Functional Training“ neu definiert sozusagen (Randnotiz: Ich hasse diesen Begriff). Die meisten verbinden damit irgendwelche Übungen mit dem eigenen Körpergewicht und instabilen Gegenständen. Bullshit.


In der Kraftmanufaktur wurde ich daran erinnert, dass Muskeln der Ursprung jeder Bewegung sind und ein isoliertes Training verschiedener Muskelgruppen teilweise einfach nötig ist um schwache Glieder in einer Bewegungskette zu kräftigen. Ich musste feststellen, dass meine Kniebeuge (mit knapp unter dem doppelten Körpergewicht) echt eine gute Leistung ist, aber durch schwache Quads einfach an Potenzial einbüßen. Die Kraft in der Kniebeuge stand in keinem Verhältnis zu den Kraftleistungen der einzelnen Muskeln. Ich tat mich anfangs schwer mit dem Gedanken und ich kann jeden verstehen, der dasselbe Problem hat. Isolierte Übungen wirken auf den ersten Blick "unfunktionell". Allerdings wird nichts je funktioneller sein als eine ausbalancierte Muskulatur, sei es im optischen oder leistungsbezogenen Sinne. Da brauch auch keiner diskutieren. Es bleibt einfach Potenzial auf der Strecke liegen.

Wir wollen doch alle das Beste für uns oder nicht?

Wenn du stärker werden willst musst du deine Schwächen trainieren.

Um wieder mit einer eigenen Geschichte fort zu fahren:

Meine Brust war optisch ein absoluter Schwachpunkt. Seitdem ich aber durch Alex Betreuung wieder Übungen wie Fliegende mache wächst diese stetig weiter. Ich finde immer noch, dass dort jede Menge Potenzial offen ist aber lediglich mit Bankdrücken und Liegestützen hätte ich diese Form niemals erreicht. Also:

Isoliertes Training ist nötig um Schwachpunkte in komplexen Bewegungen zu beheben und somit diese zu verbessern.

Es hilft niemanden Kreuzheben bis 100kg zu machen, wenn einem dort immer das Gewicht aus der Hand fällt. Zu diesem Zeitpunkt sollte man das Hirn anschalten und seine Griffkraft trainieren, egal wie stupide bzw. „unfunktionell“ dies in den Augen der Fitnessindustrie sein mag. Lass dir keinen Floh ins Ohr setzen und arbeite an deinen Schwächen, egal was du dafür tun musst. Nur so kannst du stärker werden.

Resümee? Mach mal wieder ein paar Curls!

Mindset

Dieser Abschnitt stellt dann den vorerst letzten Teil der „Wahrheiten, die ich glaubte…“ – Reihe dar. Es wird auf jeden Fall eine Aktualisierung der bereits präsentierten Infos geben.

Ich lerne dazu. Ich akzeptiere das. Ich will besser werden.


Wenn du das auch möchtest, dann lass dich coachen. Lass deine Bewegungen analysieren, Defizite aufdecken, bearbeiten und aus dir eine stärkere und geilere Maschine machen, als du jetzt bist. 3 Monate und du brichst all deine jetzigen Rekorde.


Stay strong!

Pat

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Strength Coach

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